Tag 27: Die drei Siebe – 30-Tage Achtsamkeitschallenge

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Eine Geschichte zum Nachdenken

Die heutige Challenge scheint einfach, denn sie besteht nur aus dem Lesen des folgenden Textes.  Die Aufgabe im Anschluss ist, den Text zu reflektieren, den Text wirken lassen. Denken Sie ein wenig über die Worte nach.

Die drei Siebe

„Einst wandelte Sokrates durch die Straßen von Athen. Plötzlich kam ein Mann aufgeregt auf ihn zu.

 „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der…“.

„Warte einmal„ unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“

„Die drei Siebe? Welche drei Siebe?“ fragte der Mann überrascht.

„Lass es uns ausprobieren“ schlug Sokrates vor. „Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“

 „Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“

 „Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“

Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil.“

„Hm…“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“

„Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann.

„Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“

 Tagtäglich sind wir einer Fülle von Nachrichten, Informationen und Bildern ausgesetzt. Viele von ihnen können wir nicht überprüfen.  Wir werden mit Aussagen oder Mitteilungen überhäuft, die uns belasten. Dadurch bilden sich eher Vorurteile als eine Meinung.

Wenn wir aber die Ruhe finden innezuhalten und mithilfe der drei Siebe das herauszufiltern, was wahr, gut und notwendig ist, entlasten wir uns und die Menschen um uns herum.

Wir haben alle unsere eigenen Wahrheiten, lassen uns aber gerne verleiten das zu glauben, was uns Andere erzählen, ohne wirklich zu wissen, wie viel Wahrheit hinten den Worten tatsächlich steckt. Wie schnell sprechen wir sogar unbewusst Dinge aus, deren Worte nicht mehr zurückgenommen werden können. Wie häufig tragen wir die Worte Anderer weiter, ohne wirklich zu wissen, ob sie durch die „drei Siebe der Wahrheit“ geflossen sind.

Achtsam ein Gespräch führen bedeutet also, vor dem Erzählen einer Geschichte oder eines Vorkommnisses  zu überlegen, ob der Inhalt für den Zuhörer

  • wirklich der Wahrheit entspricht
  • für den Zuhörer positiv ist
  • nützlich sein kann

Wenn wir uns diese drei Fragen vor Aussagen zumindest hin und wieder stellen, dann vermeiden wir unnötige Kränkungen, unbedachte Worte und Stress.

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